Veraltete Tarifverträge bremsen den Handel aus

Veraltete Tarifverträge bremsen den Handel aus

Seit Jahren steht die Gewerkschaft Verdi in der Kritik. Veraltete Tarifverträge im Handel belasten das Betriebsklima in immer mehr Unternehmen. Die antiquierten Regelungen passen nicht mehr in die heutige Arbeitswelt. Viele Unternehmen des Einzelhandels haben sich inzwischen von der Tarifbindung gelöst. Verdi verliert dramatisch an Einfluss.

Bereits vor Jahren wurde von Arbeitgebern und Verdi vereinbart, die Verhandlungen über eine umfassende Reform voranzutreiben. Vor allem geht es darum, das System der Eingruppierung, das im Wesentlichen noch aus den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt, an die heutigen Erfordernisse anzupassen. Verabredet wurde deshalb die Schaffung eines bundesweit einheitlichen, diskriminierungsfreien Entgeltsystems für alle Tätigkeiten im Einzelhandel.

Bis heute ist das Vorhaben nicht umgesetzt. Angeblich sind die widerstreitenden Interessen bei diesem Thema bisher unüberbrückbar. Doch auch die Hintertür der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel durchzusetzen, blieb bisher verschlossen. Weiterhin gelten die Tarifverträge also nur für Mitarbeiter in tarifgebundenen Unternehmen. Doch das sind nach offiziellen Angaben lediglich noch etwa 31 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und magere 18 Prozent in den östlichen Bundesländern.

Die Tarifverträge spiegeln bis heute eine Handelswelt wider, wie es sie vor Jahrzehnten gab. Dort finden sich noch immer längst überholte Berufsbilder. Das wiederum setzt sich dann auch noch in einem widersinnigen Anachronismus fort: Früher gab es im Einzelhandel kaum Arbeitsteilung. Gleiche Löhne für alle war demnach ein gerechtfertigtes System.

Heute müsste die Tarifverträge nach Arbeitsteilung, damit verbundenem Fachwissen und speziellen Kenntnissen differenzieren. Doch das veraltete und starre System verhindert jegliche Öffnung und Neuerung und damit auch so manches berufliche Engagement. Die Erfordernisse des Online-Handels können zumindest bei tarifgebundenen Unternehmen des Handels keine ausreichende Berücksichtigung erfahren.

Anders als in anderen Branchen bietet der Flächentarif für den Handel daneben keine Öffnungsklauseln für individuelle betriebliche Lösungen. Der zunehmende Ausbruch aus diesem Korsett ist die logische Folge. Verdi sieht das natürlich komplett anders und spricht von Lohndumping-Tricks der Arbeitgeber.

Zwar leugnet Verdi nicht, dass eine Reihe von Positionen in den Tarifverträgen des Einzelhandels inzwischen merklich angestaubt sind. Aber Anpassungen insbesondere bei den Berufsbildern lehnt die Gewerkschaft mit dem Hinweis ab, dass es den Arbeitgebern ohnehin nur um Einspareffekte geht.

So bleibt eine moderne Fassung der Tarifverträge weiter Wunschdenken derjenigen, die täglich ihre Leistung im Handel einsetzen und auch Innovationen aufgeschlossen gegenüberstehen. Das wiederum indiziert natürlich auch auf Arbeitnehmerseite drastische Folgen: Verdi verliert immer stärker den Zugriff auf die über drei Millionen Beschäftigten im Einzelhandel. 

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Bildquelle: geralt – https://pixabay.com/de/tastatur-bezahlen-klick-bestellen-2309108/