
Bildung braucht endlich Nachhilfe
Die Bildung an den Schulen des Landes rückt mal wieder in den Fokus: Die Bildungsverwaltung Berlins hat ihre Statistik des vergangenen Schuljahres veröffentlicht. Vor allem die Zahlen der Schulabgänger ohne Abschluss werden darin nun zum Aufreger. An Sekundar- und Hauptschulen verließen im Jahr 2018 rund 13 Prozent die Schule ohne einen Abschluss. Nur die statistische Einbeziehung der Gymnasiasten kann das Bild etwas verbessern und die leidige Zahl auf rund 7 Prozent drücken. Doch auch in den anderen Bundesländern sieht diese Entwicklung nicht besser aus: Rund 50.000 Schüler blieben im Jahr 2018 in Deutschland ohne einen Schulabschluss.
Dass im Land der Dichter und Denker einmal die Bildung im Mittelpunkt der Kritik steht, das hätte man sich vor Jahren auch noch nicht träumen lassen.
Dabei ist die Misere der Ergebnisse nur die Spitze des Eisbergs. Marode Schulen, fehlendes Personal, aufgeblähte Verwaltung, fehlendes Leistungsprinzip und streikende Lehrer – die Bildung in Deutschland liefert schon seit geraumer Zeit ein Bild des Versagens ab.
Die mangelhaften Kompetenzen in den wichtigen Kulturtechniken bilden zunehmend ein sich selbst reproduzierendes Problem. Unter den Kindern und Jugendlichen wachsen kontinuierlich neue Generationen potenzieller Analphabeten heran. Aufgrund mangelnder Fähigkeiten fehlt ihnen eine zentrale Voraussetzung für Bildung und auch für den Zugang zum Arbeitsmarkt. Soweit die heutigen Kinder und Jugendlichen selbst Kinder haben und als Eltern nicht die notwendige Förderung anbieten können, wird es auch für die dann heranwachsende Generation ähnliche Probleme geben.
Dass dies nicht ohne Folgen bleibt ist evident. Nicht nur, dass die Zahl der Schüler zunimmt, die ohne einen Abschluss aus der Schullaufbahn ausscheiden. Auch die Ergebnisse einzelner Jahrgangsstufen zeugen von großem Handlungsbedarf. Doch von der Ernsthaftigkeit gegensteuernder Bestrebungen ist man allseits weit entfernt. Die inzwischen breit gestreute Niveauabsenkung zeigt sich in fataler Weise. So bleiben jährlich tausende Lehrstellen unbesetzt, weil die Ausbildungsreife einfach nicht vorhanden ist.
Dabei geht es noch nicht einmal um die Versäumnisse bei der Digitalisierung der Bildung. Es geht schlicht um die sträfliche Vernachlässigung des Kompetenzerwerbs in den Schulen.
In allen Schulgesetzen der Bundesländer wird die Schulpflicht propagiert. Neuerdings werden sogar Ganztagsschulen als die Heilsbringer der Zukunft angesehen. Allein die Ergebnisse sollen im Verborgenen bleiben. So kann Bildung für den Nachwuchs nicht gelingen. Der Schulbesuch muss Sinn machen und er muss Ergebnisse der Entwicklung zu Tage fördern.
Da kann es auch keine Verweise mehr an angeblich bildungsferne Elternhäuser geben. Hier besteht Lieferpflicht der Schulen und zwar ohne Wenn und Aber. Die Bildungs- und Erziehungsziele der einzelnen Schulgesetze sowie die Grundsätze ihrer Verwirklichung sind zwingendes Recht. Für Schüler aber auch für das Lehrpersonal. Es macht Sinn, diese Dinge wieder mal so ernst zu nehmen, wie sie ursprünglich gemeint waren.
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Bildquelle: Momentmal – https://pixabay.com/de/weimar-goethe-schiller-denkmal-2417498/