Das bedingungslose Grundeinkommen als Option

Das bedingungslose Grundeinkommen als Option

Das bedingungslose Grundeinkommen als Option

Die Corona-Krise wirbelt so einiges durcheinander. Starre Dogmen werden dabei reihenweise über den Haufen geworfen. Was in auskömmlichen Zeiten völlig indiskutabel war, das ist inzwischen zur denkbaren Lösung gereift. Insofern ist es auch keine Zeitverschwendung, ein generelles Grundeinkommen mal ernsthaft zu diskutieren und einen echten Versuch zu starten.

Jeden Monat Geld überwiesen bekommen, für das keine Gegenleistung eingefordert wird. Ein bedingungsloses Grundeinkommen also.

Die Idee vom Grundeinkommen ist natürlich nicht neu. Schon im 16. Jahrhundert beschwor der britische Autor Thomas Morus in seinem Roman Utopia einen bedingungslosen Lebensunterhalt für jedermann, vor allem um dem Diebstahl vorzubeugen. Psychologen griffen den Gedanken auf, Wirtschaftswissenschaftler entwickelten Konzepte

Durchgesetzt hat sich das bedingungslose Grundeinkommen bislang nirgends.

Fast durchgängig wird damit argumentiert, dass die Finanzierbarkeit am dann fehlenden Arbeitsanreiz der Menschen scheitern würde. Daneben besteht die Furcht vor flächendeckendem Sozialneid, da auch Besserverdienende das Grundeinkommen erhalten würden.

Diskutiert werden diesbezüglich vor allem die Kosten, die Sinnhaftigkeit und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Dabei ist vieles eine reine Scheindebatte, die oft auch vom typisch deutschen Neid-Faktor bestimmt wird. Wie und ob sich die Arbeitsmoral der Menschen durch ein bedingungsloses Grundeinkommen ändert, das ist bislang kaum erforscht. Andererseits könnten diverse Verarmungsprozesse in der Gesellschaft abgemildert werden. Gerade die aktuellen Entwicklungen sollten die Augen vieler Skeptiker öffnen helfen.

Mehrere Staaten hatten in der Vergangenheit das Grundeinkommen schon einem intensiven Test unterzogen.

Wenngleich man dort offenkundig deutlich aufgeschlossener für praktische Erprobungen ist, liefen diese Versuche jedoch vor allem wegen ihrer organisatorischen Ausgestaltung überwiegend ins Leere. Das wurde am Beispiel Finnlands sehr deutlich. Doch das hat dem Zuspruch in der Bevölkerung für ein bedingungsloses Grundeinkommen keinerlei Einbruch beschert. Eher das Gegenteil ist der Fall. Liefern doch erst langfristig und offen gestaltete Erprobungen wirklich belastbare Ergebnisse bei der Auswertung.

Für viele Befürworter ist das Grundeinkommen nicht nur eine grundlegende finanzielle Absicherung, es soll zugleich auch Anreiz für innovative eigene Arbeitsansätze liefern. Der pure Existenzdruck lässt bisher vieles an kreativen Ideen einfach verkümmern. Nicht wenige der bisherigen Unternehmensgründer müssen allein aus Geldmangel auch nun die Flinte ins Korn werfen. Ein Grundeinkommen könnte derlei Gefahren in der Zukunft zumindest abmildern.

Mehr als eine bloße Existenzsicherung wird damit nicht geboten.

Reich wird dadurch niemand. Wer mehr Wert auf Lebensqualität und einen gewissen Standard legt, wer seine Arbeit liebt, darin Sinn und auch ein gewisses Maß an Erfüllung sieht, der arbeitet auch dann noch weiter in seinem Job. Wer zwischenzeitlich keine Arbeit hat, der ist aber auch deutlich motivierter, sich um neue Aufgaben zu kümmern oder sich selbständig zu machen. Wer bis dato unzufrieden mit seiner Situation war, der kann das fortan aktiv ändern. Das Grundeinkommen sichert im wahrsten Sinne den Rückraum.

In Deutschland wurde das Thema in der Vergangenheit immer weiter zerredet. Einzig darin, dass ein Grundeinkommen mehr freie Zeit ermöglichen kann, ist man sich fast einig. Zwei Drittel der Deutschen würden sich von einem Grundeinkommen mehr Zeit mit ihrer Familie erhoffen.

Weniger als zehn Prozent gaben laut einer Studie an, mit einem Grundeinkommen nicht mehr arbeiten zu wollen. Die deutliche Mehrheit würde weiterarbeiten. Regelmäßige Arbeit scheint überwiegend doch weit mehr als eine lästige Pflicht zu sein.

Zu den Lehren der Corona-Krise kann durchaus auch gehören, mehr zu wagen und weniger zu zerreden. Im Petitionsausschuss des Bundestages wurde nun erstmals über das WIE eines Grundeinkommens diskutiert. Damit ist die erste Hürde bei diesem Thema genommen. Wenn auch noch lange kein inhaltlicher Konsens besteht, so können doch das Für und das Wider endlich seriös gegeneinander abgewogen werden.

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